Archive for the ‘Zeitmanagement’ Category

Warum schneller manchmal langsamer ist

Samstag, September 15th, 2007

Eine Geschichte geht mir nicht aus dem Kopf. Eine Geschichte, die ich, es liegt Jahre zurück, im Radio gehört habe:

Ein – soweit ich mich erinnere Hamburger – Notar erzählte von der Zeit, in der das Fax aufkam und welche Veränderungen mit seiner Nutzung einhergingen: Während zur Zeit der Briefpost Korrespondenz mit Japan wochen- und monatelang unterwegs war, schrumpfte das Zeitfenster, um zu reagieren, mit Einführung des Faxes auf Tage. Und er sagte, dass der Zeitgewinn, der dem Käufer vorher suggeriert worden war, sich durch die Erwartungshaltung seiner Kommunikationspartner in Luft auflöste.

Heute, zu EMail und Handy Zeiten, scheint mir die zulässige Reaktionszeit gegen Null zu tendieren.

Doch wozu?

Prozesse werden nicht zwangsläufug besser oder schöner, nur weil ,man sie beschleunigt. Wer daran zweifelt, sollte sich einen Plattenspieler besorgen und einfach eine alte LP auf Singlegeschwindigkeit abspielen. Das Resultat klingt oftmals lächerlich oder nach Modern Talking!

Zum anderen läßt man zu gerne und leicht außer Acht, was denn die scheinbaren Zeitsparer alles kosten: Investitionen in neue Hardware, Frust beim Entschlüsseln kryptischer Bedienungsanleitungen, Produktivitätsverlust durch Umlernen, teure Fortbildungen, Irritationen durch kürzere Produktlebenszyklen …
Es gibt mitlerweile Menschen, die froh über das neue Handy sind, weil sie das alte noch nicht begriffen haben.

Aber noch gefährlicher erscheint mir die damit verbunde Allgegenwart des „Sei Schneller!!“ in unserem Leben. Wir essen, gehen, reden und lesen schneller als vor einigen Jahren und sehnen uns doch so sehr wie nie zuvor nach Ruhe.

Also: Öfter mal das Handy ausschalten, den Telefonstecker ziehen und von Hand spülen. Den Hintern aus der Couch hieven und selber umschalten, anstelle zu zappen. Nicht den neuesten Trends hinterherlaufen, sondern abwarten, Tee trinken und diese Momente genießen.

Diese kleinen Momente helfen bei der Entdeckung der Langsamkeit und ihrer Bedeutung für das eigene Leben.

Eine andere Art von Pause

Donnerstag, September 13th, 2007

In Pausen versucht man in der Regel, so gut es geht nichts zu tun. Das geht auch anders. Heute möchte ich euch einen anderen Ansatz für die Ausgestaltung und das Wesen einer aktiveren Pause geben: das „Sein Lassen“.

Die Vorbereitung:

Zunächst setzt man setzt sich hin und notiert, was man so alles in einer Stunde sein lassen kann. Beispielsweise eine Runde mit dem Auto um den Kölner Ring fahren (wenn kein Stau ist), zum Supermarkt fahren und einkaufen, eine Folge Lindenstrasse ansehen, um die Solinger Talsperre laufen, X Bahnen schwimmen, einen halben Film im Kino ansehen, die Wohnung staubsaugen, den Flur putzen, den rasaen mähen, das Fahrrad putzen,
Wäsche aufhängen, einen Spaziergang mit dem Hund machen, 10 Zigaretten oder eine Zigarre rauchen, 50 Papierflugzeuge falten, ein Kaffeeservice von Hand spülen etc.

Schreibt alles auf, was euch einfällt. Und dann kommt:

Das eigentliche Pausieren:

Jetzt lasst ihr die Sachen, die Ihr notiert habt eine Stunde lang sein. Wird euch langweilig, macht euch wieder deutlich, dass ihr gerade beim Sein Lassen seid und fühlt nach, wie sich das für euch anfühlt. Was genau lasst ihr gerade sein? Versucht einmal engagiert und dynamisch sein zu lassen oder ganz leicht und entspannt sein zu lassen. Was fällt euch leichter?
Wenn ihr beim Sein Lassen gut vorankommt, lasst ruhig noch etwas länger sein.

Wichtig: Bitte macht eurer Umwelt deutlich, dass Störungen das Sein Lassen enorm erschweren und deshalb bitte zu unterbleiben haben.